Öffnet das Berliner Schloss dem Volk – Aufruf zu einer Bürgerinitiative!

Eine Welle der Aufmerksamkeit sollte von Berlin Mitte bis zum Prenzlauer Berg und Wedding/Brunnenviertel schwappen. Denn es geht um ein Thema, dass uns nicht nur vor Ort, sondern als Stadtbürger Berlins bewegen könnte – und sollte. Warum geht es?

Im Oktober letzten Jahres hatte der Münchener Architekt Stephan Braunfels  den Vorschlag  gemacht, das im Bau befindliche Berliner Schloss zum Raum der Berliner Altstadt hin zu öffnen. Es ergibt sich dadurch eine freie räumliche Perspektive vom Schlossinnenhof (Schlüter-Hof)  über das Marx-Engels-Forum bis zum Fernsehturm. Ein solcher städtebaulich großzügiger Freiraum würde zur Versöhnung zwischen Baubefürwortern und -gegnern beitragen, würde das Schloss mit seinen kulturellen Nutzungen jenseits rückwärtsgewandter Kaiserzeitverherrlichung dem Volk öffnen. Es könnte die „Neue Mitte Berlins“ begründen, ein Identifikationsort für alle Berliner aus Ost und West werden.

Der modernistische  Ostflügel fällt weg – Stellas Schlosskonzept hat sich geöffnet

Wie kann städtebaulich-gestalterisch die Lösung aussehen? Die beiden Fotosimulationen verdeutlichen den Schwenk vom vierseitig bebauten Entwurf Franco Stellas zur Alternative der Schlossöffnung:

Schloss-mit-Ostfluegel-Stella

Schloss-ohne-Ostfluegel

Oben: Stella-Entwurf: geschlossenes Schloss; Unten: Schloss nach Braunfels

Der in modern beliebigem Bürohausstil geplante Ostflügel wird weggelassen. Damit öffnet sich das Schloss zur Spree hin und gibt den Blick frei über das Marx-Engels-Forum, die Nikolaikirche bis hin zum Fernsehturm:

offenes_schloss

Es ist „fünf nach 12!“ –  können die Berliner noch das offene Schloss durchsetzen?

Im Jahr 2008 hatte man sich für das Konzept von Franco Stella entschieden. Der damals von Braunfels vorgelegte Entwurf ohne Ostflügel wurde ausgesondert, weil die barocke Innenfassade des Ostflügel nicht rekonstruierbar gewesen wäre, wenn der gesamte Flügel wegfallen würde. Historisierende Originaltreue war also wichtiger als ein städtebaulich kreativer Ansatz, der das Schloss als markanten Kristallisationspunkt einer großzügigen „Neuen Mitte“ versteht. Immer mehr Fachleuten und Berlinern wird inzwischen klar, dass mit der jetzigen Planung eine einmalige Chance vertan wird, Berlins Mitte als offenes Bürgerforum zu entwickeln.

Da Stellas Entwurf nicht nur beschlossenes Planungskonzept ist, sondern die Bauarbeiten schon bis zur Bodenplatte fortgeschritten sind, ist es „fünf nach zwölf“. Rechtlich ist klar, dass man nicht auf das offene Schloss nach dem Muster von Braunfels zurückgreifen kann. Aber könnte man nicht, wenn man den Stellaentwurf für alle anderen Baukörper beibehält, seinen sperrig modernen Ostflügel einfach weglassen? So ließen sich nicht wenige Millionen an Baukosten einsparen.

Hier setzt das Anliegen der zu gründenden Bürgerinitiative für ein offenes Schloss an. Ohne grundsätzliche Neuplanung könnte eine Modifizierung von Stellas Planung vorgenommen werden. Dazu bedarf es eines Baustopps und Moratoriums – Zeit, die man für die Umplanung nutzen sollte!

Deshalb sind alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen zur Gründungsversammlung der Bürgerinitiative         „Ein offenes Schloss – für eine weltoffene Stadt!“

Freitag, den 17. 01. 2014 um 19:00

in der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, Friedrichstr. 180

 

Weitere Informationen: www.offenes-schloss.de und facebook.com/offenes.schloss

 

Rainer Krüger

Über Rainer Krüger

Das Berufsleben als Hochschullehrer ist vorbei. Aber "mitten im Leben zu stehen" bleibt spannende Herausforderung und heißt: das Interesse an (Mit)menschen und der Gestaltung unserer Lebenswelt zu behalten! Dafür möchte ich sachlich und fair aktiv sein.

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2 Responses to Öffnet das Berliner Schloss dem Volk – Aufruf zu einer Bürgerinitiative!

  1. Steff Ulbrich 19. Januar 2014 bei 10:43 #

    Inzwischen hat sich die BI gegründet. Um möglichst schnell 20.000 Unterstützer für eine Volksinitiative zu bekommen, die das Berliner Abgeordnetenhaus zwingt sich mit dieser Frage zu befassen, ist eine Verbreitung des Anliegens über Facebook wichtig!

    Facebook: http://www.facebook.com/offenes.schloss
    Web:www.offenes-schloss.de
    Mail: info@offenes-schloss.de

  2. Uwe Beutel 20. Januar 2014 bei 21:57 #

    Eine Frage der Zeit
    (BZ vom 17. Januar 2014)

    Eine Frage der Zeit ist auch eine Frage des gesellschaftlichen Selbstverständnisses.
    Der „Lampenladen“ gehörte wohl nicht mehr dazu, offensichtlich aber ein Schloßnachbau ohne den historischen Ostflügel.
    Herr Braunfels schlug vor, diese Seite offen zu lassen, mit einem freien Blick zur aufgehenden Sonne.
    Dieser Vorschlag wird von einer beeindruckend überwältigenden Mehrheit nicht nur Berliner Bürger befürwortet.
    Nur wenige halten an dem Ostflügel im Design eine JVA fest, der für alle Berlin-Besucher gut und frei sichtbar ist.
    Zu diesen wenigen zählen Entscheidungsträger, die hier mit gesellschaftlicher Wirkung entscheiden,
    weshalb dieser Bau unübersehbar ein bestimmtes gesellschaftliche Selbstverständnis präsentiert.
    Ein solches Selbstverständnis im Design einer JVA am hauptstädtischen Präsentationsbau – unglaublich!
    Ich wünsche der Bürgerinitiative besten Erfolg!

    Uwe Beutel
    Berlin-Mitte

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