Der Mauerparkstreit – David gegen Goliath?

fernsehturm

Die einen lehnen jegliche Bebauung auf der im Flächennutzungsplan als Grünfläche benannten Fläche ab. Die anderen hätten sich einen Kompromiss zwischen einer nur eine Teilfläche beanspruchenden Wohnbebauung nördlich des Gleimtunnels und der Parkerweiterung im Süden vorstellen können. Diese Wohnbebauung hätte dann gehörigen Abstand zu den bestehenden Wohnquartieren gelassen, dem „Grünen Band“ und der Kaltluftschneise Raum gelassen und als Modellfall für preiswertes Wohnen entwickelt werden können.

Seitdem aber feststeht, dass die Groth Gruppe das Areal in Gänze bebauen will, sind sich alle Bürgerinitiativen einig: viel zu viel, viel zu teuer, nicht zu diesen Folgekosten, die verkehrlich und im Kontrast zu naturnaher Parkgestaltung und sozial gemischtem Freizeiterleben zu erwarten wären.

Also hat sich gemeinsamer Protest formiert. Er artikuliert sich auch im Internet auf Seiten der Bürgerinitiativen, in Stellungnahmen gegenüber Politik und Verwaltung und in Aktionen vor Ort. Dieses „Spiel“ zwischen Investoren und Bürgern ist bekannt und hat Tradition. Proteste der Basis sind die Antwort Davids auf das Handeln Goliaths. Doch auch Goliath hat das Recht, seine Position öffentlich zu vertreten und auf tatsächliche oder vermeintliche Überzeichnungen seiner Projektabsichten zu reagieren.

Das „Spiel“ gerät auf eine schiefe Bahn, wenn der Bauherr mit seiner Kapitalmacht Mittel einsetzt, die das bürgerschaftliche Engagement unterwandern, wenn zum Beispiel selbst Protestabsender organisiert werden und diese sich unisono als laute Befürworter der vom Investor gewünschten Bebauung ausgeben.

Tatsache ist bisher lediglich: Dass im zeitlichen Nachgang zu dem Einschüchterungsversuch von Groths Anwälten gegen die Sprecher der Bürgerwerkstatt Artikel der „Freunde des Mauerparks“ und des Portals „Kieze im Dialog“ erschienen sind. Und prompt und erstmalig erscheint am 25. Juni ein Schwall von Kommentaren auf diese Artikel im Netz, alle als Lobpreisung seines baulichen Vorhabens. Obwohl der Konflikt zwischen Investor und Bürgerbewegung seit Monaten virulent ist, hat es bisher keine solchen Kommentierungen gegeben. Jetzt auf einmal wird eine Reihe dieser Kommentare im Abstand von nur wenigen Minuten und unter Angabe von unterschiedlichen Pseudonymen gepostet – alles aber vom gleichen Internetanschluss. Beobachten wir hier einen neuen Fall von Astroturfing..?

Tatsache ist, dass die Groth Gruppe das PR-Büro Stöbe Mehnert engagiert hat, das in seinem Leistungsprofil unter anderem Kommunikationskampagnen und Guerilla-Marketing anbietet. Auch wirbt eine neue Website „Mauerpark-im-Dialog“ im Auftrag der Groth Gruppe mit dem Motto „Mauerpark gewinnt!“ um Symphathie – eine inhaltliche Verwandtschaft zum seit langem existierenden Bürgerforum „Kieze im Dialog“ ist unbeabsichtigt oder…?

Zeitgleich mit dem Erscheinen der Groth-Website „Mauerpark im Dialog“ verschwand die Website der Mauerpark-Stiftung Welt-Bürger-Park aus dem Netz. Die Website der Bebauungsgegner wurde Opfer eines professionellen Hacker-Angriffs.

Zufälle und geschilderte zeitlich-inhaltliche Zusammenhänge sind kein Beweis für das Tätigwerden der Groth Gruppe in Protestmantel von Bürgerengagement. Sollten gedachte Vermutungen jedoch real sein, hätte Klaus Groth erneut eine rote Linie überschritten!

Wir protestieren weiter!

 

In der Presse:
Undercover-Blogger machen Groth-PR – Morgenpost 27.06.2013
Nochmal mit PR – PBN 27.06.2013

Kieze im Dialog Redaktion

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