Verlorene Chancen für das Brunnenviertel?

Als ich mich für die Bürgerwerkstatt „Mauerpark fertigstellen“ zu engagieren begann, hatte ich das Ziel noch klar vor Augen: Eine großzügige Erweiterung des Mauerparks und eine sozialverträgliche Lösung, die den ruhigen Parkteil im Norden mit dem Kletterfelsen, Spielplatz und den Kinderbauernhof städtebaulich ergänzt und nicht erdrückt.

Inzwischen sehe ich die Chance auf ein sozial durchmischtes Wohnviertel vertan. Der Senat hat wichtige Weichenstellungen verschlafen und der Baustadtrat von Mitte vertritt die Meinung, dass hochpreisige Neubauten den Druck auf bestehende Wohnungen nehmen. Wie genau das funktionieren soll und wo genau in Berlin dies so passiert ist interessiert mich sehr!

Eigentlich ist die Ausgangssituation im Brunnenviertel gar nicht schlecht, denn 2/3 der Wohnungen sind im Besitz der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft degewo. Dennoch sind die Mieten, seit dem ich 2009 mit meiner Familie hierher gezogen bin, rapide gestiegen. Letztendlich muss ich mir die Frage stellen, wie lange ich mir diese Wohnung noch leisten kann. Eine vergleichbare Wohnung zur unseren wurde im letzten Jahr auf Immoblienscout24 für 1300 Euro Kaltmiete angeboten. Da erscheinen die Mietvorstellungen von Herrn Groth durchaus realistisch. Der Senat und Bezirk hätten im Brunnenviertel die Chance die Mietpreise auf verträglichem Niveau zu halten, möchten dies aber nicht?

Die andere Frage, die mich umtreibt sind die fehlenden Kita- und Schulplätze. Schon jetzt konkurrieren die Bewohner des Brunnenviertels mit den Eltern aus Prenzlauer Berg und Alt-Mitte um die raren Kita-Plätze, was zur Folge hat, dass einige Kitas in ihrer Durchmischung nicht mehr die Zusammensetzung des Kiezes repräsentieren. Wenn aber am Mauerpark und an der Brunnen- und Bernauer Straße weitere Wohnungen entstehen sollen, verstehe ich nicht, warum der Bezirk das Gelände des ehemaligen Diesterweg-Gymnasiums an den Liegenschaftsfond zwecks Wohnbebauung abgeben möchte. Dieses Gelände ist für das Brunnenviertel die einzige Möglichkeit die dringend benötigten Kita- und Schulplätze zu schaffen. Der Bezirk verweist auf freie Kapazitäten an anderen Schulen. Wie muss ich mir das vorstellen? Werden die Kinder dann in Bussen zu diesen Schulen gefahren? Oder hoffen Bezirk und Investoren auf pseudoliberale Bildungsbürgereltern, die ihre Kinder ohnehin nicht an Schulen mit 90% NDH-Schülern schicken?

Wie möchten wir in Zukunft leben?

Ist es tatsächlich unser Ziel sozial entmischte Wohngebiete zu schaffen, in denen nur noch Menschen mit vergleichbarem sozio-ökonomischen Status aufeinander treffen. Schotten wir uns ab? Wird Groths Mauerpark-Quartier eine Gated Community mit eigenem Quartiersplatz, privatem Sicherheitsdienst und eigener Kita, zu der er den Spielplatz des Hofes der Häuser an der Gleim- und Ramlerstraße großzügig mit einbeziehen möchte.

Die Verantwortung liegt beim Bezirk und Senat. Wohnen bei der degewo im Brunnenviertel muss bezahlbar bleiben. Das Gelände des Diesterweg-Gymnasiums wird dringend für Kita und Schule benötigt. Politik und Verwaltung, beweist, dass ihr zu einer nachhaltigen Stadtplanung in der Lage seid!

Manja Ehweiner

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