Große Mauerparkerweiterung ist möglich – jetzt !

Überraschend hatte in den letzten Wochen der Staatssekretär des Stadtentwicklungsressorts, Christian Gaebler, einen Teilflächenankauf in Höhe von 2 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Dieses Angebot bringt Bewegung in die endlose Auseinandersetzung um eine großzügige Mauerparkerweiterung. Eine Gesamtlösung zur Finanzierung des Ankaufs der gesamten Fläche auf Weddinger Seite bis zum Gleimtunnel bekommt dadurch eine realistische Perspektive. Der Mauerpark im Umfang der Planung des Landschaftsarchitekten Prof. Lange kann endlich nach einem jahrelangem Tauziehen und ohne Bebauung Wirklichkeit werden.

Wie sieht die Gesamtlösung aus?

Zu unterscheiden sind dabei die Flächen südlich und nördlich des Gleimtunnels:

Die Gewerbebetreiber (Flohmarkt und Mauersegler) im Süden haben sich zu einer “Interessensgemeinschaft ParkKultur” zusammengeschlossen. Diese Gemeinschaft zeigt sich im Süden für ihre bisherigen Betriebsflächen verantwortlich, beteiligt sich also mit einer Summe von ca. 2 Millionen Euro am Flächenkauf, wobei auch in Zukunft nur parkverträgliche Nutzungen möglich sein sollen. Zusammen mit dem Flächenankauf durch den Senat bleibt dann nur noch eine kleinere Fläche übrig. Diese Lücke lässt sich schließen, da im Landeshaushalt deutlich mehr als 2 Millionen Euro für Parkgestaltung im Haushalt vorgesehen sind und auch zum Lückenschluss eines Flächenankaufs verwendet werden können. Dadurch müsste bei der Planung des Parks auf teure Baumaßnahmen (Pyramide oder Öffnung des Gleimtunnels) verzichtet werden. Das wäre nicht schlimm, denn, wie schon die Bürgerwerkstatt betonte, wird ohnehin kein “schlüsselfertiger Park” gewünscht. Die Bürger dürfen selbst bei der Gestaltung Hand anlegen.

Eine vollständige Parkerweiterung bis zum Gleimtunnel ganz ohne Bebauung und mit bleibender lebendiger Parkkultur ist also realistisch geworden. Die Zäune zum Brunnenviertel können endlich fallen und die Anwohner aus dem Brunnenviertel können ihren Mauerpark erreichen und nutzen.

Nördlich des Gleimtunnels soll ein Streifen Grünfläche zwischen Gleim- und Brunnenviertel verbleiben, der für die Weiterführung des “Grünen Bandes” Richtung Norden (Pankow) und Westen (Humboldthain) benötigt wird und einen guten Abstand zur Jugendfarm Moritzhof belässt. Eine Teilbebauung mit einer an das Brunnenviertel angelehnten genossenschaftlichen Wohnsiedlung soll neben diesen öffentlich zugänglichen Grünflächen entstehen. Die Genossenschaft würde die noch fehlenden 4 bis 5 Millionen Euro zum Ankauf auch der nördlichen Flächen aufbringen können.

Warum eine kleinere genossenschaftliche Wohnsiedlung im Norden des Gleimtunnels?

Wir als “Freunde des Mauerparks” fühlen uns einem gerechten Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen der Berliner Bürger verpflichtet. Wenn einerseits eine sehr beachtliche Vergrösserung der Grünflache geschaffen wird, sollte andererseits die zunehmende Wohnungsnot in den inneren Berliner Stadtteilen gelindert werden, indem zusätzlicher sozial verträglicher Wohnraum geschaffen wird.

Keine Luxusstadtvillen, sondern eine sozialverträgliche Genossenschaftssiedlung ist zu planen. Sie wäre die Verwirklichung eines ökologisch-sozialen Modellprojekts mit Gemeinbedarfseinrichtungen (Kita, Begegnungsstätte), Mehrgenerationenwohnen und einer breiten Streuung der Wohnungsgrößen.

Durch eine Mischkalkulation und den Kauf von etwa 100 Belegungsrechten durch den Senat können auch kostengünstige Wohnungen angeboten werden, die aus dem bisher ungenutzten Fonds “Genossenschaftsförderung” gefördert werden: Günstigere Mieten wären das gewünschte Ergebnis.

Die Möglichkeit einer sozialen Einrichtung wie z.B. einer Kita und Begegnungsstätte gegenüber der Jugendfarm Moritzhof würde eine Brücke zwischen beiden Kiezen schaffen.

Gibt es überhaupt eine Alternative zu dieser Lösung?

Die immer lautstark vorgetragene Forderung des Vereins der Stiftung Weltbürgerpark “alles oder nichts” führte bisher zu lähmenden Stillstand in der Frage der Mauerpark-Fertigstellung. Auch auf lange Zeit ist kein kompletter Flächenankauf durch den Senat durchzusetzen – allem Protest zum Trotz. Dem Land Berlin fehlt für einen kompletten Ankauf der Fläche schlichtweg das Geld. Auch dem Verein der Stiftung Weltbürgerpark fehlt Geld. Bisher konnten lediglich 5000 Euro Spenden eingeworben werden die sogleich wieder für Werbemaßnahmen ausgegeben wurden. Es ist die traurige Realität der mit großen Ankündigungen gestarteten Initiative: für einen Flächenankauf reicht das Geld nicht und wird auch in vielen Jahren nicht ausreichen.

Deren Rückzugsposition, “wenn wir nicht den “Großen Mauerpark” bis zum Gesundbrunnen bekommen, soll alles so bleiben wie bisher”, würde zu sehr negativen Konsequenzen führen:
Die Brunnnenviertler blieben über Jahre durch Zäune vom Mauerpark ausgesperrt. Stattdessen würde der Flächeneigentümer, die CA Immo, die gewerbliche Vermietung stark hochfahren. Intensive Transportlogistik mit Containerhalden und ständigem LKW Verkehr und lärmintensive Handwerke mögen den davon unbelästig bequem im Gleimviertel oder der Oderbergerstraße Wohnenden egal sein, für die direkten Anwohner des Brunnenviertels wäre sie eine Tragödie.

Es bleibt also nur die Kompromisslösung im hier und jetzt – eine Chance für den großen Mauerpark, der noch in diesem Jahr entstehen kann.

Rainer Krüger, Alexander Puell

Kieze im Dialog Redaktion

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