Gemengelage im Mauerpark ist noch viel komplexer

Mit Erstaunen habe ich die Berichte zum Ausstieg verschiedener Prenzlauer Berger Akteure  aus der Bürgerwerkstatt zur Kenntnis genommen. Da steigt ein Akteur aus und schon befindet sich die Bürgerwerkstatt in der Krise? Welche Bedeutung bekommen somit all die anderen Akteure in der Bürgerwerkstatt, die sich ehrenamtlich und vor allem konstruktiv engagieren?

Ich „durfte“ der Entscheidung des BV Gleimviertel als Gast beiwohnen. Ich bedauere diese Entscheidung, finde sie aber angesichts der immer gleichen Akteure, die auch in anderen Projekten im Prenzlauer Berg dazwischenfunken verständlich. Wirklich schockiert hat mich die Arroganz, mit welcher die Mitglieder die Bedürfnisse der Prenzlauer Berger über die der Weddinger stellten. Ihr Argument, das Brunnenviertel habe genug Freiflächen und Grün, sodass die eventuellen andersartigen Bedürfnisse der Bewohner hinter denen der Menschen aus dem angrenzenden Gleimviertel zurückzustehen haben, da es dort an Freiflächen mangelt. Und im gleichen Atemzug wundern sich diese Akteure, dass die Menschen aus dem Wedding noch nie auf sie zugegangen sind.

Der Auszug des BV Gleimviertel ist auch insoweit bedauerlich, da die bisherigen Vertreter kompromissbereit und konstruktiv mit den Menschen aus dem Brunnenviertel zusammengearbeitet haben. Ich als Bewohnerin des Brunnenviertels und als Delegierte der Bürgerwerkstatt für die Weddinger Seite will ich auch die Option einer Randbebauung nicht ausschließen. Das oberste Ziel muss aber sein, dass der Mauerpark als Freizeitraum auch für Bürger des Brunnenviertels einen „Mehrwert“ hat und nicht nur als störende Lärmquelle wahrgenommen wird.

Sicher hat der Mauerpark für mich als Anliegerin einer verkehrsberuhigten Zone mit viel Grün und Spielplätzen eine andere Bedeutung als für einen Bewohner des Gleimviertels. Für mich stellt der Mauerpark eine Verbindung der beiden Kieze dar, damit auch die Bewohner aus dem Brunnenviertel direkten Zugang erhalten und endlich ein Austausch stattfindet, der beide Seiten aus der Isolation führt. Wie sollte auch in einem Gebiet, welches laut Berliner Zeitung vom 19./20.2.2011, zu sechzig Prozent von Migranten bewohnt wird und vierzig Prozent zumindest teilweise von Staatshilfe leben, der Mauerpark eine übergeordnete Rolle spielen. Die Menschen hier haben existenziellere Sorgen. Die Mieten steigen, ein Gymnasium und die Bibliothek sollen geschlossen werden, medizinisch ist das Gebiet unterversorgt. Da birgt ein Neubaugebiet Chancen und Risiken. Natürlich fürchten die Menschen im Brunnenviertel, dass sie primär mit der Öffnung des Mauerparks und sekundär mit der Bebauung im Norden vertrieben werden. Auch ich möchte keine „gated community“, weshalb ich immer wieder die Forderung nach genossenschaftlichem Wohnen und sozialer Durchmischung betont habe. Und natürlich reicht es auch nicht, die Anstrengungen mit der Bebauung und der Fertigstellung des Parks für beendet zu sehen, wie Herr Gothe dies offensichtlich meint. Ich erwarte, dass der Bezirk Mitte sich Gedanken darüber macht, wie die Bewohner des neuen Kiezes im Brunnenviertel ankommen. Denn warum werden an der Gustav-Falke-GS (an der Vineta-GS gibt es eine ähnliche, wenn auch weit weniger beachtete Klasse von bildungsbetonten Kindern) solche Anstrengungen unternommen, wenn Herr Gothe von vornherein auf die potenzielle Klientel am nördlichen Mauerpark verzichten möchte. Oder spekuliert er darauf, dass Pankow so glücklich über die Fertigstellung des Mauerparks sein wird, dass als Dank den neuen Bewohnern die Infrastruktur des Gleimviertels zur Verfügung gestellt wird.

Glücklicherweise hat sich gezeigt, dass bei dieser Bürgerbeteiligung nicht derjenige entscheidet, der am lautesten schreit. Für uns Weddinger Gettokinder ist die Vormundschaft der Prenzlauer Berger vorerst abgewendet. Hoffentlich werden die Menschen im Brunnenviertel irgendwann sagen können: Mauerpark is „our park“… Es ist alles offen – und deshalb nutzen wir die Chance mithilfe von „Kieze im Dialog“!

Manja Ehweiner

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2 Responses to Gemengelage im Mauerpark ist noch viel komplexer

  1. Rolf 9. März 2011 bei 13:00 #

    Kann ich alles nur unterstützen. Die Gedankenlosigkeit, mit der bislang in allen mir bekannten Debatten zum Thema der Wedding und das Brunnenviertel bestenfalls als Randnotiz wahrgenommen wurden, ist beschämend.

  2. Michael Haufe 17. März 2011 bei 12:33 #

    Sehr geehrte Manja Ehweiner,
    mit großem Bedauern habe ich Ihren Artikel „Gemengelage im Mauerpark ist noch viel komplexer“ gelesen. Schamlos diskreditieren Sie den BürgerVerein GleimViertel, der sich seit Jahren konsequent gegen eine Bebauung des MauerParks einsetzt und der offen und transparent für alle Bürger (für Pankower, Weddinger als auch alle anderen) mit ihren sehr unterschiedlichen und gegensätzlichen Meinungen eine PlattForm bildet.

    Anders sieht es mit der von Ihnen favorisierten „BürgerWerkstatt aus“ – diese scheint eher ein Club für BebauungsBefürworter zu sein, zumindest wurde diese BürgerWerkstatt mit von Herrn Gothe in Leben gerufen, der eindeutig für eine Bebaung ist (oder war?) Sie versuchen mit Lügen und Tricks die kommerziellen BebauungsAbsichten zu verniedlichen. Sie versuchen Ihren BebauungsKompromiss als BürgerWillen dazustellen…*Pfui*

    Wenn Sie schreiben (Zitat):

    „…Wirklich schockiert hat mich die Arroganz, mit welcher die Mitglieder die Bedürfnisse der Prenzlauer Berger über die der Weddinger stellten. Ihr Argument, das Brunnenviertel habe genug Freiflächen und Grün, sodass die eventuellen andersartigen Bedürfnisse der Bewohner hinter denen der Menschen aus dem angrenzenden Gleimviertel zurückzustehen haben…“

    …ist dies in meinen Augen nichts anderes als eine mieße Verleumdung. Kein Mitglied des BürgerVereins hat sich „arrogant“ über die Bewohner des BrunnenViertels oder über die Weddinger gestellt. Ja, es gab eine WortMeldung (ich weiß nicht, ob es ein VereinsMitglied oder einer der zahlreichen Gäste der VereinsVersammlung war) die meinte, dass möglicherweise es einigen Bürgern des BrunnenViertels leichter fällt, einer Bebauung zuzustimmen, da sie durch den nahegelegenen HumboldtHain eine Alternative zu dem jetzt schon übernutzten MauerPark häben. Diese einzelne WortMeldung dazu zu mißbrauchen, sie als Meinung des BürgerVereins darzustellen, zeigt mit welchem demagogischen Mitteln Sie versuchen, die BebauungsGegener zu diskeditieren. Als Indianer würde man sagen: „Frau Ehweiner spricht mit gespaltener Zunge!“. Dies würde noch deutlicher, wenn Sie erwähnt hätten, dass der verehrte Rainer Krüger zum ZeitPunkt der Versammlung selbst noch im Vorstand des BürgerVereins war – wollen Sie wirklich im Ernst behaupten, dass dieser sich arrogant über die Weddinger stelle?
    Der BürgerVerein ist mehrheitlich (und seit vielen Jahren) konsequent gegen eine Bebauung; Die BürgerWerkstatt ist für eine Bebauung. Da sich Herr Krüger in beiden BürgerVertretungen engagiert, hat er seinen InteressenKonflikt zum Anlass genommen, aus dem Vorstand des BürgerVeins zurückzutreten – eine redliche und konsequente Haltung.
    Mit Verlaub – Sie machen sich lächerlich, wenn Sie so tuen, als wären die Weddinger an einer Bebauung des MauerParks interessiert… geradezu peinlich aber wird es, wenn Sie schon die neuen Anwohner begrüßen (die sich ja nur durch eine Bebauung ansiedeln können).
    Ich akzeptiere Ihre Meinung, dass Sie eine Bebauung des MauerParks begrüßen – Bitte respektieren Sie aber auch, dass es noch jede Menger Bürger (nicht nur „PrenzelWixer“* :-)) gibt, die gänzlich gegen eine Bebauung sind.
    Noch besteht die Chance, bestehende Brachen und GrünFlächen dauerhaft als ParkAnlage zu gestalten. Aber eine einmal mit Wohnungen und Häusern bebaute Fläche wird sich in Zukunft nicht in einen Park verwandeln lassen. Deswegen ist es von Ihnen schändlich, wenn Sie eine Bebauung vorantreiben…
    Ich fordere Sie auf, Ihre schamlosen Verleumdungen gegenüber des BürgerVereins GleimViertel und dessen Mitglieder zukünftig zu unterlassen.

    *“PrenzelWixer“ = eine Figur aus dem TheaterStück „Gutes Wedding – schlechtes Wedding“ im PrimeTimeTheater

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