Bürgerwerkstatt – Elan nicht aufgeben!

Im Anschluss an die letzte Sitzung der Bürgerwerkstatt am 21. Februar tönte es von den bekannten Ansagern aus dem Prenzlauer Berg und der Oderberger Str.: die Bürgerwerkstatt ist tot!
Keinesfalls: Hatte sie bisher eine konstruktive Perspektive, so kann sie diese auch weiterhin ausüben. Was hat sie bisher geleistet?

Die Bürgerwerkstatt hat sich ein einer Reihe von Sitzungen darum bemüht, auf der Grundlage der Entwurfsplanung von Prof. Lange eigene Gestaltungsideen für einen noch fertig zu stellenden Mauerpark zu formulieren. Soll diese begonnene Arbeit für die Katz sein? – Nein: Die Bürgerwerkstatt möchte die Chance nutzen, die Grünflächenplanung so weit zu konkretisieren, dass am Ende ein politisch verhandelbares Ergebnis steht.

Die Bürgerwerkstatt hat sich mit ihren vier Delegierten auch einen Zugang zum Städtebaulichen Wettbewerb erkämpft. War das falsch? – Nein: Denn nur so, und nicht in totalem Ja-Nein Denken zu einer Bebauung am Rand des Parks konnte geklärt werden, ob es einen tragfähigen Kompromiss zwischen den Bebauungswünschen der Vivico als Eigentümer der zukünftigen Weddinger Parkerweiterung im Gegenzug zu Baurecht, aber auch zu 6 ha zusätzlicher Parkfläche geben könne. Der Auszug der vier Delegierten der Bürgerwerkstatt aus der Jurysitzung am 11. Februar hat gezeigt, wo die Stopplinie ist: keine den Park bedrängende hohe Bebauung!

Warum soll also die Bürgerwerkstatt den Bürgerinnen und Bürgern geschadet haben, die keine Bebauung wünschen? Vielmehr ist zusätzliche Klarheit geschaffen worden, aber kein Verrat am Mauerpark am Gängelband eines Baustadtrates Mitte.

Wozu kann jetzt – nachdem ein Kompromiss mit der Vivico sich eher verflüchtigt – die Bürgerwerkstatt von Nutzen sein?
Sie kann ihre Rolle, Anwohner aus dem Brunnen- und Gleimviertel an einen Tisch gebracht zu haben, weiter festigen und ausbauen. Denn wahrlich hat ein Lesebriefschreiber Recht mit seiner Feststellung: „Gemengelage im Mauerpark ist noch viel komplexer“ (Berliner Zeitung, 01. 03. 2011). Dies heißt nichts anderes als: bitte einmal hinhören auf die Wünsche und Argumente beider Seiten des Mauerparks. Schluss mit bevormundenden Vereinnahmungen durch eine scheinbare Einheitsmeinung, wie sie auf einigen laut tönenden Internetplattformen täglich verbreitet wird.

Es geht jetzt darum, sich auf einen neuen Kompromiss zu einigen, nicht auf einen mit der Vivico, sondern: eine gemeinsame Position von Brunnen- und Gleimviertel zur Zukunft des Mauerparks. Das wichtigste Ziel bleibt dabei: Dort, wo sich im Süden durch die Erweiterung der Grünfläche auf Weddinger Seite ein großer vielen Menschen gefallender Park entwickeln soll, passt keine der Freizeitnutzung entfremdete Bebauung. Eine „architektonische Adresse“ für diejenigen, die es zum Park zieht, sollte diskussionswürdig sein. Sie wäre dem Mauerpark dienend – und nicht dominierend. Wäre es zu viel erhofft, wenn sich die jetzigen Initiatoren eines „Weltbürgerparks“ zugunsten der zukünftigen Besucher aus aller Welt darüber einmal Gedanken machen würden?

Zu bedenken ist allerdings auch: Was kann man der Anwohnerin in der Wollinerstraße sagen, die morgens um 5 Uhr aufstehen muss, um zur Arbeit zu kommen, weil sie schon jetzt die hohe Lärmbelästigung im Sommer beklagt? Gibt es Lösungen einer Parkgestaltung ohne hohe Bebauung, die die Brunnenviertler zufrieden stellen können?
Die Bürgerwerkstatt möchte zu diesen und anderen bisher wenig belichteten Problemen Antworten suchen – sie möchte gern für alle Menschen dies- und jenseits des Mauerparks Ansprechpartner sein.
Also – wir brauchen eine Bürgerwerkstatt – so, wie sie heute besteht und wie sie morgen auch ohne festen Auftrag zur Grünflächenplanung weiterleben kann!

Rainer Krüger

Rainer Krüger

Über Rainer Krüger

Das Berufsleben als Hochschullehrer ist vorbei. Aber "mitten im Leben zu stehen" bleibt spannende Herausforderung und heißt: das Interesse an (Mit)menschen und der Gestaltung unserer Lebenswelt zu behalten! Dafür möchte ich sachlich und fair aktiv sein.

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